Die folgenden Texte von einer 7. Klässlerin handeln von der Entstehung des Staates Israel, sowie Erlebnissen des Palästinenserjungen Nasser und des israelischen Mädchens Rahel aus dem Buch Rahel lebt in Israel, Nasser im Westjordanland von Laure Mistral.

Entstehung des Staates Israel

Das Gebiet in dem heute Israel liegt ist sehr klein. Es ist ein wichtiger Handelsknotenpunkt und wurde daher immer wieder umkämpft bzw. von wechselnden Völkern besetzt. Das sorgt immer wieder für Probleme.

Israel entstand aus einer Region namens Palästina. Geschichten aus der Thora (das ist so etwas wie die Bibel für Christen) zufolge ist es das Land, das Gott den Juden versprochen hatte. Ab dem 8. Jahrhundert lebten die meisten Juden unter der Vorherrschaft fremder Völker auf der ganzen Welt verteilt. Während des 4.-6. Jahrhunderts gehörte Israel dem Byzantinischen Reich an. Im 7. Jahrhundert eroberten Araber Palästina und bekehrten die Palästinenser zum Islam. Um sie aus der Hand der „Ungläubigen“ zu befreien, richteten Christen im 12.-13. Jahrhundert große Blutbäder an. Bis zum 16. Jahrhundert besetzten türkische Militärsklaven das Land. Im 18. Jahrhundert beschlossen die Juden in ihr Land zurückzukehren, weil ihnen viel Hass und Verachtung entgegenschlugen. Im 19. Jahrhundert wurde der Antisemitismus unerträglich. Viele Juden hofften auf einen Staat, wo sie in Würde leben können. Palästina sahen sie als das Land ihrer Vorfahren an. In den 1880er Jahren kehrten viele Juden zurück.

Der 2. Weltkrieg stellte den Wendepunkt dar. Nach dem Völkermord beschlossen die westlichen Regierungen, den Juden ein eigenes Land zu geben. Am 29. November 1947 stimmte die UNO dem Plan zur Teilung Palästinas zu. Leider wurden die Palästinenser nicht gefragt, ob sie dem Plan zustimmen. Am 14. Mai 1948 wurde der unabhängige Staat Israel ausgerufen. Einen Tag später erklärten ihm die arabischen Nachbarstaaten den Krieg. Die Israelis nennen den Krieg Unabhängigkeitskrieg. Die Israelis eroberten allerdings auch Gebiete, die den Palästinensern gehörten. Der Widerstand der Palästinenser zwang die Israelis dazu, einen Friedensvertrag zu schließen (Oslo Friedensprozess) . Die Israelis sollten sich aus dem Westjordanland, dem Gazastreifen zurückziehen und für die Rückkehr der von 1948-1967 vertriebenen Palästinenser sorgen. Leider hat Israel dieses Abkommen nicht umgesetzt. Noch heute werden die Palästinenser unterdrückt und schikaniert. Die Palästinenser wehren sich dagegen (im Extremfall mit Terroranschlägen). Der Konflikt eskaliert immer weiter. Viele Israelis und Palästinenser hoffen trotzdem auf eine friedliche Lösung.

Quellen:
1) Laure Mistral 2007: Rahel lebt in Israel, Nasser im Westjordanland, Verlag Knesebeck.
2) http://www.planet-wissen.de/laender_leute/israel/geschichte_des_staates_israel/

Nasser

Nasser lebt im Süden des Westjordanlandes, sieben Kilometer von Jerusalem (wo Rahels Familie) wohnt) entfernt. Er ist für seine 13 Jahre relativ klein und hat dunkelgrüne Augen. Sein Traum ist es, in dem Dorf zu leben, von dem ihm seine Oma erzählte. Es liegt zehn Kilometer von Bethlehem entfernt und heißt A-Quaubu (?). Seine Oma war zehn Jahre alt, als im März 1948 Israelis das Gebiet besetzten und Flugblätter verteilten auf denen stand, dass sie das Gebiet innerhalb von drei Tagen zu verlassen hatten. Die meisten Dorfbewohner wie Nassers Oma flüchteten in die Flüchtlingslager, die von UNRWA in Westjordanien und dem Gazastreifen gegründet wurden.

Nasser ist in dem Lager aufgewachsen. 60% aller Bewohner sind arbeitslos, die Hälfte davon ist unter 18 Jahren. Das Lager sieht aus wie eine kleine Stadt. Oft fallen nachts israelische Soldaten in das Lager ein. Die Überfälle sind sehr schlimm. Seit die Soldaten im März 2005 Nassers Bruder verhafteten, kann er nicht mehr richtig schlafen und in der Schule sich kaum noch richtig konzentrieren. Beim ersten Überfall 2002 wurden 15 Menschen getötet. Viele Kinder leiden sehr unter dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Nassers Freund Nour musste erleben wie Soldaten alles zerstörten, was er liebte: sein Haus, sein Dorf, den Olivenhain. Heute steht an der Stelle eine acht Meter hohe Betonmauer, die sogenannte Sicherheitsmauer. Sie ist ein furchtbares Sinnbild des Konflikts. In dem Lager übernimmt UNRWA den Unterricht. Die Klassen sind viel zu groß. Es gibt keine gemischten Klassen. Die seit 2002 verhängten Ausgangssperren erschweren die Ausbildung. Mit sechs Jahren hat Nasser angefangen Englisch zu lernen und hat bisher kaum Fortschritte gemacht. Seit einem Jahr geht er ins Lajee-Center (Lajee = Flüchtling). Informatik, Tänze, Literatur und Fotografie werden dort angeboten. Die Ausflüge findet er am besten. Es tut gut, das Lager zu verlassen, auch wenn es nicht für lange ist. Die Verantwortlichen versuchen den Jugendlichen zu helfen, sich eine eigene Meinung zu bilden, zu lernen, wie man seine Flüchtlingsrechte verteidigt und politische Gesinnungen zu bilden. Ein kleiner Lichtblick in einer ausweglosen Situation. Die palästinensische Bevölkerung wird oft erniedrigt. Um in die umliegenden Städte zu kommen, braucht man eine Sondergenehmigung. Im ganzen Land sind Checkpoints errichtet worden. Offiziell sind sie zum Schutz vor palästinensischen Terroristen errichtet worden. Die meisten Soldaten schikanieren die Palästinenser an den Checkpoints. Als Nasser das letzte Mal an einem Checkpoint war, wurde gerade eine schwangere Frau abgewiesen, die auf dem Weg ins Krankenhaus war. Nasser hofft, dass er später die Chance hat, zu studieren und dass er den Kreislauf der Armut durchbrechen kann.

Quelle:
Laure Mistral 2007: Rahel lebt in Israel, Nasser im Westjordanland, Verlag Knesebeck.    

Rahel

Rahel ist 11 Jahre alt und ist eher etwas schüchterner. Sie hat blonde Haare wie ihre Eltern, die polnischer Herkunft sind. Ihre Großeltern haben das KZ überlebt und kamen 1948 nach Israel. Rahel lebt mit ihren Eltern und ihrer großen Schwester Avital in einer kleinen Straße in der sogenannten „deutschen Kolonie“ in Jerusalem. Am liebsten mag sie den naturbelassenen Garten in dem sie Blumen aussähen kann und Beete anlegen. Oft zieht sie sich auch in ihr Zimmer zurück oder spielt Violonchello. Rahels Vater ist vor drei Monaten bei einem Anschlag von palästinensischen Extremisten am Bein verletzt worden. Deshalb kann er nicht zur Arbeit gehen. Das ist ein schwerer Schlag für die Familie. Rahels Mutter ist Musikerin und hat kein regelmäßiges Einkommen. Rahels Vater benutzt manchmal jiddische Ausdrücke. Das ist die Sprache der Juden Osteuropas und setzt sich aus semitischen und slawischen Ausdrücken zusammen und ist den deutschen Mundarten sehr ähnlich. Die Angst vor Anschlägen ist immer in der Familie präsent. Avital ist 20 Jahre alt. Sie hat ihren Wehrdienst vor Kurzem beendet, der zwei Jahre dauerte. Rahel findet, dass sich Avital seit dem Wehrdienst sehr verändert hat. In Israel werden Männer und Frauen im Wehrdienst genau gleich behandelt Avital trug ständig ihre Kaki-Uniform und ihr Maschinengewehr. Sie war immer ein Wochenende pro Monat zu Hause. Durch den Wehrdienst traf sie Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Im August 2005 war sie bei den Truppen, die aus dem Gazastreifen jüdische Siedler evakuierte. Viele Siedler waren sehr aufgebracht. Ein Mädchen, etwa in Avitals Alter, schrie sie an: „Du bist doch auch Jüdin! Wie kannst du nur so was tun? Ihr Soldaten seid doch alle Verräter!“ „Ich führe nur meine Befehle aus, aber wenn du mit mir diskutieren willst, dann gib mir deine E-Mail-Adresse“, antwortete Avital. Später haben sich das Siedlermädchen Eynat und Avital getroffen. Jede von ihnen hat noch zehn weitere Freundinnen mitgebracht. Beide haben eine vollkommen unterschiedliche Sichtweise von Israel. Eynat ist ultrareligiös. Sie glaubt, dass die Palästinenser kein Recht haben, in Israel zu leben, da Gott den Juden das Lange geschenkt habe. Die meisten Siedler meinen, dass die Palästinenser in jedem anderen arabischen Land leben könnten und keinen Anspruch auf Israel haben. Avital ist nicht gläubig und gehört eher zu den Linken. Nach dem Treffen war sie sehr aufgewühlt. Avital sprach mit ihren Eltern und Rahel über den Zwiespalt. „Weißt du“, sagt sie, „man kann die Thora nicht als historisches Dokument betrachten und Wort für Wort glauben. Auch wenn die Thora sich auf geschichtliche Ereignisse bezieht, darf man nicht vergessen, dass die Geschehnisse erst Jahrhunderte später niedergeschrieben wurden.“

Quelle:
Laure Mistral 2007: Rahel lebt in Israel, Nasser im Westjordanland, Verlag Knesebeck.

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