MACBETH – frei nach Shakespeare

ACHTungTheater! – Dreiwöchiges Theaterprojekt im Jahrgang 8 an der GSM/Brokstraße

 

„Jede Menge Leichen – pädagogisch wertvoll“ so betitelte die TAZ-Nord ihren Artikel über die Inszenierung von Macbeth im Kulturbunker an der Berliner Straße. Und in der Tat ging es recht blutrünstig zu, als der 8. Jahrgangs der Gesamtschule Mitte/Standort Brokstraße Shakespeares Klassiker auf ihre Weise interpretierte. Der Stoff legt dies nahe, gleichzeitig entsprach genau das den Wünsche der Jugendlichen: die Schülerinnen und Schüler hatten in zwei Projektstunden vor den Sommerferien dem Regisseur Jörg Isermeyer und der Theaterpraktikerin Kirsten Schillner ihre Filmvorlieben und Interessen „vorgespielt“ – Intrigen, Machtspiele, Liebe und Gewalt waren die beliebtesten Themen.


Das neue Schuljahr startete mit drei intensiven Theaterwochen (3.9.-21.9.12). Zunächst wurde der Stückinhalt vorgestellt, dann entwickelten die 44 Jugendliche in Kleingruppen ihre Interpretationen der einzelnen Szenen. Die Ergebnisse wurden filmisch festgehalten und dienten dem Regisseur als Grundlage bei der Erarbeitung der Textfassung. So entstand im Wechselspiel mit den Schülern einerseits ein in sich stimmiges Kunstwerk, mit denen sich die Jugendlichen andererseits identifizieren konnten. (Ein am Abend der Premiere aufgefangener Dialog: Vater: „War der Text von euch oder vom Regisseur?“ Sohn: „Also in jeder Szene waren eigentlich unsere Texte.“) Dadurch dass die Jugendlichen das Stück auf ihrem persönlichen Erfahrungshintergrund entwickelten, entstand ganz nebenbei eine aktuelle Interpretation von Macbeth, ohne dabei das Stück aus den Augen zu verlieren. Einige Passagen blieben sogar im Originaltext. Klamauk und Ernst wechselten sich ab.

Die Inszenierung verband die beiden Spielorte, die Schule und den Bunker an der Berliner Straße. Den Auftakt machte eine Berichterstattung einer Schlacht – präsentiert an und auf der Tischtennisplatte auf dem Schulhof – gefolgt von der Nachricht an den schottischen König, dass Macbeth für ihn die Schlacht gewonnen habe. Dabei wurde die Schule zum Schloss, die Fenster des Physiksaals gewährten Einblick in den Königssaal. Von dort geleitete ein Reiseführer das Publikum durch die Brokstraße zum Bunker. Unterwegs wurden – erdichtete – Anekdoten zum Leben und Werk von Shakespeare zum Besten gegeben. Vor dem Bunker erfolgte dann von den Balkonen der Anwohner aus die Prophezeihung der Hexen. Das eigentliche Drama nahm schließlich im Bunker selbst seinen blutigen Lauf und sein tödliches/heiteres Ende.

Am 19.Oktober 2012 war Premiere, zwei weitere Aufführungen folgten an den beiden nächsten Tagen vor vollen Zuschauerreihen.

Die Zusammenarbeit mit dem Verein „Kultur im Bunker e.V.“ erwies sich als besonders glücklich. Der Ort passte atmosphärisch zur kriegrischen Handlung und die Aktustik war so gut, dass auch Achtklässler mit etwas Übung deutlich zu verstehen waren. Die Bewohner des Bunkers und die Vereinsmitglieder konnten den Schülerinnen und Schülern nebenbei spannende Einblicke in die Arbeit einer nichtkommerziellen Kulturinitiative geben.

Der Erfolg der Inszenierung und die Erfahrung, vor Eltern und Mitschülern zu glänzen, hat sich auch posistiv auf die anderen Schüler ausgewirkt: . Alle 5.-7.klässler des Standorts haben das Stück gesehen und waren durchweg begeistert. So kann man davon ausgehen, dass ein Folgeprojekt sehr viel besser angenommen würde. Wir hoffen, dass wir in der Lage sind, im kommenden Jahr erneut ein vergleichbares Projekt durchzuführen.

Die Regisseure waren bei der Erarbeitung des Stücks sehr auf den Gruppenprozess bedacht. Es gab in der Inszenierung keine „Stars“: Die Besetzung der Hauptrollen wechselte von Szene zu Szene. Jeder sollte zu sehen sein. Und jeder konnte seine Fähigkeiten, Interessen und Talente einbringen. Gesang und Musik aber auch Anleihen aus Computerspielen und der Umgang mit Handys flossen in die Inszenierung ein.

 


Wir danken dem Ortsamt Mitte/Beirat östliche Vorstadt und dem Schulförderverein für die finanzlelle Unterstützung.

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