Das Tier in Mode

 

Immer öfter tragen die Menschen ihre Haustiere herum, als wären sie ein Accessoire. Sie kaufen ihnen Halsbänder mit Diamanten besetzt und lassen sie von Edelporzelantellern essen.  Oftmals entstammen diese Tiere aus  Qualzuchten, in denen es vor allem um das Aussehen und nicht um körperliche Eigenschaften und das Wesen des Tieres geht. Dass das Tier darunter leiden muss ist nebensächlich.

 

1.Qualzucht, was ist das?

2.     Wieso begann die Qualzucht?

3.     Wie sehr leiden die Tiere darunter?

4.     Qualzuchten genauer betrachtet

6.     Welche Wege gibt es solchen Hunden zu helfen?

 

1. Qualzucht, was ist das?

 

In einer Qualzucht werden den Tieren bestimmte Merkmale angezüchtet, weil die Käufer diese schön finden. So werden etwa die ohnehin schon vorhandenen äußeren Merkmale einer Rasse verstärkt. Aufgrund dieser Übertypisierung haben die Tiere jetzt eine Stupsnase, hervorstehende Augen oder einen zu kleinen Schädel. Dass die Tiere nicht mehr atmen können, eine chronische Bindehautentzündung bekommen, frieren müssen oder noch unter anderen Symptomen leiden ist nebensächlich. Das Aussehen zählt. Diese Übertypysierung kommt zustande, da für die Zucht nach dem Aussehen ausgewählt wurde und nicht nach dem Gesundheitszustand. Die Tiere leiden unter starken Schmerzen und weisen meist auch Verhaltensstörungen auf, welche nicht korrigiert werden, diese Störungen übertragen sich auch auf die nächsten Generationen. So kommt es, dass bei einigen Rassen die Tiere ängstlich und unsicher sind. Ein Haustier sollte im Idealfall zum Beispiel Nervenstärke besitzen, einen guten Charakter haben und mit sich und der Umwelt gut klar kommen.  Die brachycephalen[1] Rassen zum Beispiel leiden unter ihrem Kindchenschema mit den großen Kulleraugen, der hohen Stirn und der Stupsnase. Diese Rassen leiden häufig an Atemnot und Überhitzung. So kam es, dass der Gewinner der weltweit größten Hundeausstellung, Crufts, bei dem Siegerfoto auf einem Eisblock sitzen musste, da er kurz vor der Überhitzung stand. Er war ein Pekinese und konnte, trotz einer OP nicht mehr richtig atmen.[2]

 

2. Wieso begann die Qualzucht bei Hunden?

 

Ursprünglich stammt der Hund vom Wolf ab. Dieser besaß und besitzt die idealen körperlichen und seelischen Eigenschaften für das Überleben in der Natur. Er ist dynamisch, beweglich, hat große Lust am Laufen und allgemein einen großen Bewegungsdrang.  Dieses Bild, des idealen Hundes hat sich im Laufe der letzten 15 000 Jahre verändert. Es gibt nun viele verschiedene Rassen. Diese sind sehr unterschiedlich. Vieles hat sich verändert doch der große Bewegungsdrang ist bei allen geblieben. Doch die Möglichkeit diesen auszuleben fehlt einigen. Früher war der Hund ein Nutztier und half den Menschen in vielen Situationen. So dass bei der Zucht darauf Wert gelegt wurde, dass der Hund gesund und leistungsfähig ist. Es wurde nach Leistung ausgesucht und nicht nach dem Aussehen, denn dieses war nur Nebensache. Doch im Laufe der Industrialisierung wurde der Hund immer weniger als Nutztier gehalten und ging in die Rolle des Haustiers und Begleiters über. So legten die Züchter mehr Wert auf das Aussehen, als auf die Gesundheit. Auch auf das Wesen wurde immer weniger geachtet.  Die Rassestandarts mussten erfüllt werden. So könnten viele Hunde heutzutage den Aufgaben von früher nicht mehr nachkommen.  Die Qualzuchten von heute entsprechen kaum den Hunden von früher. Denn die Käufer wollen, dass ihre Tier zum Beispiel niedliche Glubschaugen haben, die nur entstehen weil der Schädel zu klein gezüchtet wurde und das Gehirn die Augen nach außen drückt. Selbst vermeidlich gesund erscheinende Hunde, wie zum Beispiel der deutsche Schäferhund, haben Probleme damit, dass ihr Rücken keine Gerade ist, sondern nach hinten abfällt. Auch eine Qualzucht.

 

3. Wie sehr leiden die Tiere darunter?

 

Nicht jedes Rassetier ist eine Qualzucht und auch unter diesen gibt es verschiedene Leidensstufen. Dies ist subjektiv. Die einen freuen sich darüber, wenn die Nase besonders kurz, die Augen weit hervorstehen oder die Haut besonders schön faltig ist Andere wiederum sehen das Leid und könnten darüber in Tränen ausbrechen. Für das Tier ist es immer schrecklich. Um sich vorstellen zu können, welche Qualen die Tiere zu leiden haben, kann man sich einen Menschen vorstellen, der unter Atemnot, Bindehautentzündung, Hüftproblemen, Arthrose, Asthma, Übergewicht/zu viel Haut und in extremen Fällen unter ständiger Kälte oder einem Sonnenbrand (wenn die Tiere kein Fell besitzen) leidet. Hunde zum Beispiel verstecken ihre schrecklichen Schmerzen oft lautlos, dies haben sie noch vom Wolf geerbt, denn in freier Wildbahn darf auch keine Schwäche gezeigt werden. Jeder Mensch würde unter diesen Qualen schreien. Viele Hundebesitzer denken, dass einige Symptome, die die Tiere aufweisen rassetypisch sein, doch dem ist nicht so. Das röchelnde Atmen der brachycephalen Rassen ist nicht deren Kommunikation und ist nicht niedlich. Diese Tiere können kaum noch atmen. Der Cavalier King Charles Spaniel ist auch ein gutes Beispiel für eine Qualzucht. Bei dieser Hunderasse wurde der Schädel immer kleiner gezüchtet, so dass das Gehirn kaum noch Platz im Schädel hat. So kann es bei den Hunden zu gravierenden Nervenstörungen kommen, die ohne eine riskante Operation bis zum Tode führen können. (Eine genaue Vorstellung einiger Rassen erfolgt unter Punkt 4.) Teilweise hat sich der Körperbau der Hunde so verändert, dass sie sich ohne die Hilfe des Menschen nicht mehr vermehren könnten. Wie zum Beispiel bei der Englischen Bulldogge. Das Becken des Weibchens ist zu schmal, um noch normal gebären zu können. Bei 86% der Hündinnen muss ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, um die Welpen auf die Welt zu holen.

 

4. Qualzuchten genauer betrachtet

 

Unter diesem Punkt werden einige der schlimmsten Qualzuchten genauer beschrieben, hauptsächlich Hunde- und Katzenrassen.

Die brachycephalen Rassen:

Unter den Hunden gibt es elf und unter den Katzen zwei Rassen die unter Brachycephalie ‚leiden‘. Dies ist eine angeborene Deformation der Schädels, welche auch als Rund- oder Kurzköpfigkeit bezeichnet wird. Sie haben schon von Natur aus eine kurze Schnauze und einen kleinen Kopf. Die Übertypisierung hat im Laufe der Jahre diese Eigenschaften stark verstärkt. Bei einigen so stark, dass sie die Hunde bei ihren natürlichen Bewegungen behindern. Durch eine Hemmung des Längenswachstums des Schädels verengen sich die oberen Atemwege, was zu starken Atemproblemen und einer gestörten Thermoregulierung führt. Aufgrund des zu großen Knorpels des Nasenflügels und einer reduzierten Beweglichkeit kommt es zu Verengungen der Nasenlöcher. Durch diese Nasen können die Hunde kaum noch atmen, was ein großes Problem ist. Dazu ist der Gaumensegel meist verdickt, was zu Einengungen des Nasenrachens führt und zusammen mit der großen, dicken Zunge auch zu einer Einengung des Mundrachens. Außerdem kann bei den brachycephalen Rassen ein verkürzter Rachenraum festgestellt werden und eine Veränderung am Kehlkopf. Hinzu kann kommen, dass die Rachenmandeln in den Innenraum der Atemwege gezogen werden. Aufgrund dieser Veränderungen können Erstickungsanfälle, Ohnmacht, röchelnde Atemgeräusche oder schnarchende Geräusche auftreten. Diese Hunde reagieren auch im Gegensatz zu anderen Rassen zu Hitzeempfindlichkeit. Bei Komplikationen können folgende Krankheiten auftreten: ein Ödem des Kehldeckels, Einstülpung der seitlichen Kehlkopftaschen nach innen, Trachealkollaps, Kollaps des Kehlkopfs, Entzündung und/oder Vorfall der Rachenmandeln, Bronchitis sowie Herzinsuffizienz infolge ungenügender Sauerstoffsättigung des Blutes. Viele der Geburten müssen per Kaiserschnitt durchgeführt werden, da der Kopf nicht mehr durch das Becken des Weibchens passt, auch bei der Paarung muss oft schon der Mensch eingreifen. Von der Brachycephalie sind folgende Rassen betroffen:

Hunde:

Katzen:

 

Rassen mit übermäßiger Hautfaltenbildung

Diese Rassen haben oft Probleme damit, dass sie sich durch die überschüssige Haut nicht mehr frei bewegen können. Auch kann es dazu kommen, dass Stirnfalten über die Augäpfel wachsen, so dass die Tiere operiert werden müssen um wieder sehen zu können. Die herunterhängende Haut an den Augenliedern kann auch dazu führen, dass die Hunde an einer chronischen Bindehautentzündung leiden. Folgend werden einige dieser Hunde aufgezählt.

 

 

 

Shar-Pei

Der Shar-Pei hat Probleme mit seinem Körper, wie alle Rassen mit übermäßiger Hautfaltenbildung. Außerdem hat der Shar-Pei noch einen Fang, der dem eines Nilpferdes gleicht.

Mastin Napoletano

Der Mastin Napoletano hat ein solch massigen Körper, dass er nur in den Gangarten Schritt und Trab laufen kann. Anscheinend dachten die Züchter, dass diese Rasse nicht rennen muss, doch jeder Hund muss rennen können. Bei dieser Rasse ist die überschüssige Haut am Kopf oft sehr ausgeprägt, so dass der Kopf nur aus herabfallender Haut zu bestehen scheint. Die unteren Augenlieder hängen stark nach unten und können kaum noch geschlossen werden. Eine schmerzhafte chronische Bindehautentzündung ist die Folge.

Basset Hound

Diese Rasse hat zwar nicht so viel überschüssige Haut, aber auch einen zu massigen Körper für diese Größe. Das Merkmal des Basset Hound sind die übermäßig langen Ohren, dadurch hat fast jeder dieser Hunde eine chronische Ohrenentzündung. Der Rücken des massigen, aber sehr kleinen Hundes ist sehr lang, wodurch er leicht Bandscheibenprobleme bekommen kann und im schlimmeren Fall Lähmungen. Durch seine Größe hat dieser Hund im Winter Probleme mit Hoden- und Vorhauterfrierungen.  Seine Augenlider kann diese Rasse kaum schließen, da die überschüssige Haut sie nach unten zieht.

 

 

6. Welche Wege gibt es solchen Hunden zu helfen?

 

Grundsätzlich sind Qualzüchtungen in Deutschland verboten, wie es auch im Tierschutzgesetzt steht, Gem. § 11b TSchG.

§11bTierSchG

(1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Maßnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht, den bio- oder gentechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.

(2) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Maßnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei den Nachkommen
a) mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten oder
b) jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder
c) deren Haltung nur unter Bedingungen möglich ist, die bei ihnen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führen
(3) Die zuständige Behörde kann das Unfruchtbarmachen von Wirbeltieren anordnen, wenn damit gerechnet werden muss, dass deren Nachkommen Störungen oder Veränderungen im Sinne des Absatzes 1 oder 2 zeigen.
(4) Die Absätze 1, 2 und 3 gelten nicht für durch Züchtung oder bio- oder gentechnische Maßnahmen veränderte Wirbeltiere, die für wissenschaftliche Zwecke notwendig sind.[3]

Das Wort Qualzucht wurde nicht klar definiert und der Teil wenn damit gerechnet werden muss ermöglicht einige Schlupflöcher. 2009 kam vom Bundesverwaltungsgericht hinzu, dass es an den Behörden ist, zu beweisen, dass die Probleme nicht nur zufällige Einzelfälle sind, sondern die gesamte Rasse betreffen. Dies erschwert es wiederum §11b des TierSchG durchzusetzen. Die Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat bereits eine Neuformulierung des Gesetztes geschrieben, welche nun den Bundesländern vorliegt und begutachtet wird. Im April 2013 soll es durchgesetzt werden. Mit diesem Gesetztes Entwurf sind jedoch nicht alle Tierschutzorganisationen einverstanden. Viele meinen er bietet noch zu viele Schlupflöcher.

In dem Land, in dem die Rassezucht entstanden ist, Großbritannien, gibt es die stärkste Gegenbewegung. Die Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals ist die älteste und größte Tierschutzorganisation auf der Welt. Sie organisierten eine Offensive gegen Qualzuchten unter dem Motto bred for looks – born to suffer. Ebenfalls entstand 2008 in Großbritannien der Dortmunder Appel, der die Wende weg von der Qualzucht hin zu gesunden Hunden einleitete. Im Grundlegenden geht es um drei Verben laufen, atmen, sehen. Dies soll den Hunden wieder möglich sein. In Deutschland werden die Augen verschlossen vor der Qual, die die Tiere leiden. Sowohl die Tierschutzorganisationen als auch die Behörden und der Staat unternehmen nichts gegen die Qualzucht im Land.

 

Bei meinen Recherchen zu dem Thema Qualzuchten, wurde klar, dass das Thema umfangreicher ist als ursprünglich angenommen. So konnte ich die Themen nicht so vertieft behandeln, um den Rahmen dieser Projektarbeit nicht zu sprengen. Noch wichtig zu erwähnen ist, dass einige Tierrassen in Mode kommen, sobald sie in der Werbung auftauchen, oder auf dem Arm eines Prominenten zu sehen sind. Dann wollen viele Menschen diese Hunde haben nur weil sie berühmt sind, sie achten nicht darauf, wie schwer es teilweise ist diese Rassen zu halten. Viele der Hunde landen am Ende auf der Straße oder in Tierheimen. Auch Züchter, die ihre Welpen viel zu früh von der Mutter wegnehmen und nicht auf deren Gesundheit achten machen mit den Tier Trends Geschäfte. Während meiner Arbeit ist mir klar geworden welche Qual die Tiere durch leiden müssen. Zwar sind die Möpse zum Beispiel niedlich, doch wenn man sich deren röchelnde Atmung anhört habe ich nur noch Mitleid mit ihnen. Dies hat der Mensch ihnen angetan, was sehr egoistisch ist, denn der Hund muss für das bezahlen, was wir für niedlich halten. Das Leid der Hund könnte und muss in Zukunft vermieden werden.



[1] Die brachycephlen Rassen leiden unter einer Deformation des Schädels, weswegen sie einen kleinen Kopf und eine kurze Schnauze haben.

[2] Dies enthüllte die BBC Dokumentation „Pedigree Dogs Exposed“.